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Berufliches Schulzentrum für Ernährung, Sozialwesen und Wirtschaft
des Erzgebirgskreises, Schneeberg/Schwarzenberg
 



Besuch einer Mettenschicht in den Zinnkammern in Pöhla am 17.12.2013



Seit Wochen hatten wir uns darauf gefreut, einen Nachmittag in gemütlicher, vorweihnachtlicher Atmosphäre zu verbringen und für einige Stunden in der traditionsträchtigen Untertagewelt des Erzgebirges unsere vollgestopften Terminplaner, Praktikumsaufträge und Leistungsnachweise zu vergessen.

Obgleich für uns Schüler die Besinnlichkeit, Ruhe und Weihnachtsvorfreude im Vordergrund stand, wussten wir doch, dass seitens der Schule nichts ohne tieferen Sinn geschieht. Der Ausflug hatte das Ziel, als Gruppe hautnah ein Stückchen Kultur und Tradition unserer schönen Heimat zu erleben, um dieses Wissen, verbunden mit eigenen Erfahrungen, an unser zukünftiges Klientel weitergeben zu können. Erzgebirge pur – was will man mehr?

Am 17. Dezember 2013 war es endlich soweit. Wir durften uns mittags um 12 Uhr von unserer Praktikumseinrichtung verabschieden und machten uns gespannt auf den Weg nach Pöhla, um eine Mettenschicht in den berühmten Zinnkammern zu erleben.

Im Vorfeld wurden wir belehrt, dass uns im Bergwerk nach 20-minütiger Zugfahrt durch einen düsteren Tunnel eine Führung, ein musikalisches Programm und ein traditionelles Bergmannsbrot erwartet, und zwar UNTER dem Ort Rittersgrün. Plötzlich kamen Fragen auf: Was genau wird geschehen? Wie ist die Luft dort unten? Ist es kalt? Kriegt jemand Platzangst oder Panik? Hoffentlich geht alles gut! Immerhin kannte ein Großteil der Schüler die Mettenschichten nur vom Hören-Sagen.

Die Anspannung verwandelte sich in freudige Erwartung, als wir auf dem Parkplatz des Pöhlaer Bergwerks, das seit Juni 1991 nicht mehr aktiv arbeitet, ankamen. Das Wetter ließ zwar eher Frühlingsgefühle aufkommen, doch kehrte die Weihnachtsstimmung zurück, als der mächtige  Lichterbogen neben dem Eingangsbereich uns mit einem einladenden „GLÜCK AUF“ begrüßte.

Die Helme wurden ausgeteilt. Gruppe für Gruppe lief einige Stufen nach unten, um in einem Tunnel vor einer Eisentür auf den Zug zu warten. Nun ging es los. Wir stiegen in den Zug. Es war eng, wirklich beklemmend! Die Türen wurden von außen verschlossen, das Startsignal ertönte, dann ratterten wir los durch einen schmalen Tunnel, begleitet vom kargen Licht der wenigen Lämpchen, die an dem Zug befestigt waren. Eine Viertelstunde dauerte unsere Reise, die schon einen ersten kleinen Einblick in die Arbeitswelt der Bergleute vermittelte. 

Nachdem alle ausgestiegen waren, wurden wir von unserem Führer mit rauer aber herzlicher Stimme auf bergmannstypische Art begrüßt und liefen los. Station für Station wurde uns gezeigt, vom Sprengstofflager angefangen, über riesige Bohrgeräte, die für uns sogar einmal angeworfen wurden, bis hin zu einer Auswahl an Erzen und Mineralien, die hier gefördert wurden. 900 Bergleute sind hier im Einsatz gewesen, drei Schichten zu je 300 Leuten. Zur Größe des Bergwerks stelle man sich das gesamte Straßennetz der Stadt Schwarzenberg vor, welches hier in Form von Gängen vertreten ist, aber nicht nur einmal, sondern 14 Mal alle 40 Meter tief unten in der Erde. Das ist gewaltig!

Unsere Wanderung durch das finstere Gestein setzte sich fort und wir folgten einer Anhöhe mit 12 % Steigung zu den eindrucksvollen Zinnkammern, in denen damals der Zinnabbau erprobt wurde, jedoch nicht mehr stattfand, da die Uranförderung wirtschaftlich im Vordergrund stand. Diese waren die letzte Station unserer Reise, bevor es nun zum gemütlichen Teil übergehen sollte.

Wir liefen ein Stück zurück und dann bot sich uns ein unglaublicher Anblick. Riesige Höhlen mit Säulen aus Gestein, farbig beleuchtet und weihnachtlich geschmückt. Wir fühlten uns in eine andere Welt versetzt, geradezu romantisch, von Beklemmung keine Spur mehr.

Fünf Bergmänner stellten uns ihre Blechblasinstrumente vor, die sie liebevoll ihr „Blech im Zinn“ nannten. Das Unterhaltungsprogramm war wirklich gelungen, andächtige Geschichten über Bergleute und ihre Weihnacht, lustige Anekdoten und musikalische Stücke – einfach schön! Der berühmte Steigermarsch beendete das Programm, bei dem die gesamte Gruppe ausgelassen mitsang.

Abschließend saßen alle gemütlich beisammen zum traditionellen Bergmannsbrot. Bei leckeren belegten Broten, Glühwein und Tee wurde ausgelassen erzählt und einander die Eindrücke mitgeteilt, die ein jeder im Bergwerk gesammelt hatte. Manch einer dachte an die Bergleute, die hier ihre Gesundheit und sogar ihr Leben gelassen haben, bevor wir uns auf den Rückweg begaben.

Wir bedanken uns recht herzlich bei den Verantwortlichen unserer Schule und den Mitarbeitern des Besucherbergwerks Pöhla, die uns dieses wunderschöne Erlebnis ermöglicht haben und freuen uns darauf, die Bräuche unseres Erzgebirges später als ausgebildete Erzieher an die Kinder der Zukunft weiter zu geben … denn Tradition verpflichtet! 

Mit einem herzlichen „GLÜCK AUF“ grüßen

die Fachschüler des FB Sozialpädagogik
am BSZ Schneeberg/Schwarzenberg
Standort Schwarzenberg